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Vernunft durch Harndrang

3. März 2011

Gestern, am 02.März 2011, befand sich eine Nachricht auf der Wissensseite der Süddeutschen Zeitung, die sich mit den Auswirkungen von Harndrang auf unsere Entscheidungsfähigkeit befasst hat. Von vornherein ein merkwürdiger Ansatz, aber sei es drum. Forscher hätten herausgefunden, so hieß es, dass Menschen mit dem akuten Bedürfnis zu urinieren vernünftigere Entscheidungen träfen.

Einigen Testpersonen wurde erst einmal reichlich Wasser gegeben. Als dann die Blase befüllt war und nach Entleerung schrie, wurde den Testpersonen Geld angeboten. Sie könnten dieses sofort annehmen oder aber später einen erhöhten Betrag bekommen. Die Testpersonen, die dringend zur Toilette mussten, haben das Geldangebot auf später verlegt. Von Seiten der Forscher heißt es nun, eine volle Blase mache einen vernünftigen Menschen. Der Vergleich, auf den die Forscher sich bezogen haben, ist der zu Sex und Hunger. Sie sagen also, dass Menschen die andere Grundbedürfnisse befriedigen, wie Sex und Hunger eben, nicht so vernünftig sind, wie jene, die pinkeln gehen müssen.

Völliger Unsinn. Menschen, die Bedürfnisse dringend befriedigen wollen, neigen generell dazu, alle anderen Entscheidungen hinten anzustellen. Das hat nichts mit Vernunft zu tun. Menschen, die Hunger haben, hätten das Geld sofort angenommen, um sich schnell etwas zu essen zu kaufen, unabhängig davon, ob sich das Geld später für noch mehr Essen gereicht hätte. Menschen, die um jeden Preis Sex wollen, hätten vielleicht auch das Geld angenommen, um sich schnell welchen zu kaufen. Oder aber um jemanden, mit dem sie Sex haben wollen, zum Essen einzuladen. Und damit hätten sie gleich zwei Bedürfnisse zweier Menschen befriedigt. Das ist wesentlich vernünftiger als jemanden, den man mag, oder mit dem man jedenfalls Sex haben will, hungrig warten zu lassen, nur um mehr Geld zu bekommen. Menschen, die pinkeln müssen sind nicht zwingend vernünftig. Nur eben triebbezogen. Sie wollen schnell pinkeln und haben keine Zeit sich mit Rechenansätzen herumzuschlagen.

Ich glaube, die Forscher haben einen falschen Ansatz gewählt. Menschen, die Triebe befriedigen wollen, machen das einfach. Hunger, Sex, Urin. Nichts davon führt zu Vernunft. Alles führt, je nach Angebot und Betrachtungsweise, zu guten und vernünftigen Entscheidungen, oder eben nicht. Wenn du etwas ganz dringend musst und dich jemand vollquatscht, lässt du ihn auch stehen. Unabhängig vom Angebot. Nur abhängig vom Drang deines Vorhabens oder vom Druck deiner Blase. Wenn du dann zurückkommst und finanziell belohnt wirst für deine Ignoranz und Unhöflichkeit und die Wissenschaft das dann Vernunft nennt, ist das Glück für dich respektive jeden Betroffenen. Gleichzeitig ist das eine ganz merkwürdige Aussage über die Forscher, deren Höflichkeits-, Moral- und Vernunftsverständnis. Vernunft ist nicht immer ökonomisch messbar. Vernunft ist eher, sich Erleichterung zu verschaffen, statt die Hose voll zu machen.


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