Mit ‘Terminator’ getaggte Beiträge

Vom Smartphone zu SkyNet. Oder: Was Google mit dem Terminator zu tun hat

4. Januar 2010

Soeben las ich im Süddeutsche Magazin vom 31. Dezember des vergangenen Jahres –jawohl: 2010 has begun! Happy new year! – dass das Smart Phone mit dem Buchdruck gleichzusetzen sei, was den Fortschritt der Menschheit angehe. Der Mensch sei nahezu mit dem Smart Phone verwachsen, hieß es. Er geht also bald mit einem technischen Hilfsmittel online, dass nicht mehr als solches verstanden werden will und kann. Er, der Mensch an sich, geht online. Er telefoniert. Er schreibt und schickt SMS. Ohne Hilfe. Aus sich selbst heraus. Die Ära der technischen Hilfe geht vorbei, der Entwicklungshilfe sozusagen. Der Mensch ist soweit selbst zur Maschine zu werden. Zum 6-Millionen-Dollar Mann, zum RoboCop, zum Terminator, zu Inspector Gadget.

Bei all diesen Assoziationen fällt natürlich auf, dass keine davon wertfrei ist. Alle implizieren, den westlichen Denkfabriken gemäß, denen sie entsprungen sind, ein einfaches Gut-Böse-Schema. Das Smart Phone an sich würde so bisher nicht eingeordnet. Wo steht es auf der Wiege der Justitia? Wo steht dann der Mensch, der zur Technik wurde?

Nicht nur technisch, auch biologisch sind wir immer auf dem Sprung zum Kunstmenschen. Entschlüsselte DNS, gezüchtete Körperteile aus Stammzellen, pränatale Diagnostik usw. usf. Die Entwicklungen laufen parallel in eine Richtung: Der Funktionalität entgegen. Die Wirtschaft setzt schon lange darauf und hat frühzeitig Menschen durch Maschinen ausgetauscht. Jetzt laufen Menschen dem hinterher und machen sich selbst zu Maschinen. Die Wirtschaft ist hierbei wohl die maßgebliche Triebfeder. Google ist ganz vorne dabei. Google ist natürlich kein Fließbandroboter, der den Menschen ersetzt hat. Google ist so etwas wie Skynet bei Terminator. Der Über-Roboter, der alles kontrolliert und organisiert und eines Tages in den Krieg gegen die Menschheit zieht, so diese denn noch nicht komplett technisiert und somit untergeben ist.

Die Fortschritte, die zur Technisierung der Menschheit führen, ersparen uns grausame Szenarien wie in Terminator. Wir ergeben uns freiwillig der Technik, und feiern das als Fortschritt. Klar verzichten wir damit auf den Krieg, den wir nur verlieren könnten, bei der ganzen Technik, die in den Waffen heutzutage steckt. Die hätten wir ja nicht mehr unter Kontrolle. Uns auch nicht. Matrix-Style. Und moralische Kategorien wie Gut und Böse sind dann auch verschwunden bzw. obsolet. Technisch und menschlich sind dann die Gegenpole. Und Menschen werden nicht mehr geboren, sondern gezüchtet. So wie bei Houellebecqs Die Möglichkeit einer Insel. Großartiges Buch übrigens. Da gibt es sogenannte Neo-Menschen und Fortpflanzung als bloße Reproduktion, als Kopie, ohne zwischenmenschlichen Verkehr, überhaupt: Kontakt ohne Zwischenmenschliches. Gibt es ja auch alles schon. Nichts Neues. Auch diese Ideen oder Beobachtungen offensichtlich nicht.

Dennoch komisch. Der Fortschritt, die Technisierung, ist selbstverständlich und bar jeder Kritik. Dabei kommen die Horrorszenarien und Visionen vieler Autoren damit nah an die Realität, mal ganz abgesehen von dem Musterbeispielen 1984 und Brave New World. Wer muss sich an einen dubiosen altertümlichen Franzosen halten, den keiner richtig übersetzen kann, wenn Science Fiction da doch zuverlässiger scheint? Ich bin ein wenig froh, mich aus dem 2.0, zumindest in Teilen, verabschiedet zu haben und werde mich in meinem Filmarchiv und Bücherregal weiter nach komischen Zufällen und Überschneidungen mit heutigen Entwicklungen umschauen. Entweder finde ich unheimliches oder ich hab wenigstens eine gute Zeit. Letzteres ist wahrscheinlich. Der Buchdruck steht für mich jedenfalls deutlich über dem Smart Phone. Vielleicht komm ich aber auch nur deswegen auf solche fragwürdigen Gedanken…


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