Mit ‘Paarungsverhalten’ getaggte Beiträge

Damenwahl oder: Paarungsverhalten 7

29. August 2010

Das Pärchen stirbt aus. Die gesellschaftliche Entwicklung nimmt dem Pärchen den Lebensraum. Die Menschen, die Singles, nehmen es kampflos hin. Die Männer werben nicht mehr um Frauen, kämpfen nicht mehr, stellen sich nicht mehr zur Schau. Könnte man annehmen.

Von den ca. 662 000 Einwohnern Frankfurts sind laut singleboersen-vergleich.de fast 42 500 Singles allein bei friendscout24.de auf der Suche nach einem Partner. Insgesamt wären, könnte man doppelte Anmeldungen ausschließen, etwa 130 000 Frankfurter via verschiedener Singlebörsen auf der Suche nach Glück oder Sex oder beidem. Das sind etwa 20 Prozent der Einwohner Frankfurts. Man fragt sich, was diese Menschen falsch gemacht haben bzw. was sie über sich haben ergehen lassen müssen, um so zahlreich einsam zu sein. Und ob man bei einem Fünftel überhaupt von Einsamkeit sprechen kann. Alleine ist etwas anderes, aber nun gut.

Die Standards der Partnersuche sollten mit den Jahren der Erfahrung steigen. Man hat schon etwas hinter sich, hat daraus gelernt und weiß, was man will, was man nicht will. Die Partnersuche wird spezifischer und effizienter, die Ergebnisse zunehmend besser. Denkste! Denn in Frankfurt scheint es sich etwas anders zu verhalten. Zumindest, wenn man von der Kontaktanzeige eines gewissen replay70 im Journal Frankfurt ausgeht. Schlichtheit wird hier großgeschrieben. „Toller Mann (36/190) sucht tolle Frau.“ Aber wenn beide so toll sein sollten, warum sind sie dann nicht vergeben? Und warum hat replay70 sonst keine Wünsche? Aus welchem Grund verweigert er jedwede charakterliche Selbstbeschreibung?

In der Stadt mit der höchsten Erwerbstätigendichte Deutschlands, einem riesigen Finanzsektor und mehr als 35 000 Studierenden denkt man doch, dass der Konkurrenzkampf nahezu unerträglich sein müsste. Dass der Druck besser zu sein, dies auch zu zeigen, auf jedes Singles Schultern lasten müsste. Man hat ja nahezu Angst um replay70: Wie schlecht kann es ihm gehen, wenn er gar nichts zum Angeben hat, nichts, um die Damenwelt auf sich aufmerksam zu machen, vielleicht nicht einmal das Geld, eine längere Anzeige zu schalten? Man wähnt ihn verloren in dem Abwärtsstrudel der langfristigen Einsamkeit. Wenigstens wird niemand um ihn weinen müssen, rutscht es einem heraus.

Doch falsch. Replay70 ist womöglich genau das Gegenteil. In einer Stadt wie Frankfurt den Mut zu haben, mit nichts anzugeben, nichts hinauszuposaunen, vor allem nichts zu erwarten, erfordert, mit Kahn gesprochen, -pardon- Eier. Die scheint dieser Mann zu haben. Das ist doch schon einmal ein Anfang und lässt auf mehr hoffen. Damenwahl. Bitte zugreifen!

Paarungsverhalten 3

25. Dezember 2009

Exklusivität ist wichtig. Gerade das, was man nicht haben kann, reizt einen besonders. Wahrscheinlich auch und/oder vor allem sexuell. Außerdem ist ein gewisser Altersunterschied von Vorteil, wie schon in Paarungsverhalten 2 dargestellt, man kann ja die Attribute des älteren Partners unglaublich gut zu seinem eigenen Vorteil nutzen. Macht, Geld, Ruhm, oder auch bloß Weisheit. Was man selbst nicht hat, ist an anderen attraktiv.

Nun hab ich vor kurzem in einer Zeitung gelesen, dass Frauen vermehrt zu jüngeren Partnern greifen würden, respektive Männer zu älteren Partnerinnen. Demi Moore und Ashton Kutcher sind ein Beispiel, oder auch Yoko Ono und John Lennon, wenn auch nicht mehr ganz aktuell. Dennoch, der Trend geht zum Jungfreund. Männer sollen irgendwann im Laufe ihrer 30-er ihren Zenith überschritten haben, sowohl sexuell, als auch was Energie an sich angeht, Lebensfreude nennen wir es mal. Frauen, die wohl länger können, sexuell, als auch in Sachen Lebensfreude, fühlen sich dann unterfordert, gar gelangweilt. Zumal Frauen ja auch länger leben. Warum dann keinen Freund, der die Differenz der Lebenserwartungen ausgleicht?

Ok, macht nur bedingt Sinn, wenn man sich vorher beschwert, der Mann sei über 30 und somit langweilig. Immerhin ist das nicht einmal in der Nähe des Durchschnittstodesalters. Aber lassen wir das mal eben durchgehen, ohne uns daran aufzuhängen. Frauen wollen jetzt also nicht mehr nur reiche, mächtige, berühmte Männer, auch noch jüngere. Die 20-jährige Nebenfrau hoher Tiere wird also bald wegfallen. Denkt man. Fürchtet man. Alles verändert sich.

Aber nein. Weihnachten, das Fest der Liebe, hat eine solche aufgedeckt, wie sie schöner, romantischer und traditioneller nicht sein kann. Der Popstar der Religion, Papst Benedict XVI., wurde von einer 25-Jährigen angefallen. „Glückwunsch. Ein Groupie“, denkt man sich und fragt sich, wie der Papst wohl mit jungen Frauen umgeht, selbst wenn sie sonst wohl nur in seinem Kopf auftauchen. Andersrum ging besagte junge Frau mit dem Papst ganz offensichtlich recht radikal um, da er nicht mehr bloß in ihrem Kopf auftauchte: Gier. Lust. Verlangen. Der Papst. Exklusiver geht’s ja nicht mehr. Nicht nur berühmt, erfolgreich, Staatschef und Nummer 2 nach Gott, auch noch Jungfrau. Vermutlich. Die Gute will nicht nur hoch hinaus. Sie will auch sichergehen, da alleine zu sein. Großartig. Die junge Dame rettet ein Klischee. Und vielleicht auch den Papst vor einem unbefleckten Abgang. Ich wünsche den beiden nur das Beste.

Paarungsverhalten

27. August 2009

Ich habe gerade so was wie Verständnis für Insekten entwickelt. Ich glaube, es ist eigentlich ganz einfach. Trotz aller Differenzen, oder gerade deswegen. Es fiel mir gerade eben auf, als ich einen Schuster (andere regional-bedingte Namen des hier gemeinten Insekts sind mir entfallen, aber vorhanden) an der Badezimmerlampe habe schwirren sehen. Er flog immer wieder auf das Licht zu, scheiterte beim erreichen, versuchte es aber erneut – “Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.” (Samuel Beckett hatte einen ganz guten Blick für die Misere der Daseins) – wieder ohne Erfolg. Dennoch, das zu sehen erinnerte mich an die Bilder, die mir als Kind im Sexualkundeunterricht zu teil wurden, wenn Spermien auf dem Weg zur Eizelle gezeigt wurden. Was auch immer der Schuster zu erreichen versuchte, irgendwie scheint es gleichbedeutend mit Paarungserfolg zu sein, mit weiterleben, mit überleben im darwinschen Sinn. Es ist wie bei Wespen, die um den Mittagstisch surren, oder Mücken, die das Licht ansteuern, wenn nicht den Menschen, oder wie bei Männern, in einem vollen Club mit nur einer Frau. Es geht darum, etwas Attraktives zu erreichen. Dass Mücken nun zu dumm sind, um Attraktivität mit Todesfalle zu verwechseln ist zu unserem Vorteil, aber nicht weiter verwunderlich. Bestimmt haben auch viele Menschen ihr Leben lassen müssen, um etwas scheinbar Schönes oder Erstrebenswertes zu erreichen. Es geht ja nicht mal darum, Insekten Dummheit oder Unsicherheit im Bezug auf Partnerwahl zu unterstellen, à la: Du willst dich doch nicht ernsthaft mit Licht paaren, oder? Die Frage ist vielmehr, was steckt hinter dem Licht, dass Insekten immer darauf zu fliegen? Was sagt ihnen das Licht implizit? Menschen, Frauen vielmehr, achten, empirisch bewiesen, auf drei Eigenschaften: Gute Gene, gleichbedeutend mit guten Aussehen und Gesundheit, gutes Verhalten und gute „Sachen“, Geld bzw. Nahrung meinend („good genes, good behavior and good stuff“ – Barash, „Madame Bovary’s Ovaries. A Darwinian Look at Literature“). Wenn die Männchen – Ich gehe aufgrund des Vergleichs in meinem Kopf einfach davon aus, dass es Männchen sind – also hinter dem Licht her sind, muss dies –wahrscheinlich- die Kategorie „good stuff“ aufwerten: „Du hast ein „good stuff“-Paket gefunden und bekommst ein Leben extra!“ bzw. Ein Mädel extra, in einem Jump’n’Run ab 18. Da die gleiche Arbeit, aus der ich eben zitierte auch nachwies, dass Weibchen, also Frauen, „Stuff“ über Aussehen stellen, geh ich davon aus, dass vor allem die in Insektenkreisen als hässlich geltenden hier nach Ausgleich suchen. Es gibt doch sicher viel mehr Insekten, als einer von uns je unter der Lampe haben könnte. Es verirren sich also vergleichsweise wenige in menschliche Nähe. Ich glaube daher, dass vor allem die Hässlichen hier die Waghalsigen sind, die Verzweifelten, die, die nicht aufgeben und sogar den menschlichen Handschlag nicht fürchten. Sie wollen endlich verkehren. Für ihre Opferbereitschaft gebührt Ihnen Respekt, jedenfalls Verständnis. Nervige Viecher sind ab sofort respektable bzw. verstandene Viecher. Und der Schlag, der sie zum Tode verdammt, ist ab sofort ein „Go get a Chick-Five“, frei nach dem Toddster (Scrubs). Falls sie Muslime sein sollten, könnten sie ihren Tod vllt. als Opfer auslegen lassen, Märtyrer sein und 72 Jungfrauen-Viecher im Himmel abgreifen. Mission accomplished!

 


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