Das Pärchen stirbt aus. Die gesellschaftliche Entwicklung nimmt dem Pärchen den Lebensraum. Die Menschen, die Singles, nehmen es kampflos hin. Die Männer werben nicht mehr um Frauen, kämpfen nicht mehr, stellen sich nicht mehr zur Schau. Könnte man annehmen.
Von den ca. 662 000 Einwohnern Frankfurts sind laut singleboersen-vergleich.de fast 42 500 Singles allein bei friendscout24.de auf der Suche nach einem Partner. Insgesamt wären, könnte man doppelte Anmeldungen ausschließen, etwa 130 000 Frankfurter via verschiedener Singlebörsen auf der Suche nach Glück oder Sex oder beidem. Das sind etwa 20 Prozent der Einwohner Frankfurts. Man fragt sich, was diese Menschen falsch gemacht haben bzw. was sie über sich haben ergehen lassen müssen, um so zahlreich einsam zu sein. Und ob man bei einem Fünftel überhaupt von Einsamkeit sprechen kann. Alleine ist etwas anderes, aber nun gut.
Die Standards der Partnersuche sollten mit den Jahren der Erfahrung steigen. Man hat schon etwas hinter sich, hat daraus gelernt und weiß, was man will, was man nicht will. Die Partnersuche wird spezifischer und effizienter, die Ergebnisse zunehmend besser. Denkste! Denn in Frankfurt scheint es sich etwas anders zu verhalten. Zumindest, wenn man von der Kontaktanzeige eines gewissen replay70 im Journal Frankfurt ausgeht. Schlichtheit wird hier großgeschrieben. „Toller Mann (36/190) sucht tolle Frau.“ Aber wenn beide so toll sein sollten, warum sind sie dann nicht vergeben? Und warum hat replay70 sonst keine Wünsche? Aus welchem Grund verweigert er jedwede charakterliche Selbstbeschreibung?
In der Stadt mit der höchsten Erwerbstätigendichte Deutschlands, einem riesigen Finanzsektor und mehr als 35 000 Studierenden denkt man doch, dass der Konkurrenzkampf nahezu unerträglich sein müsste. Dass der Druck besser zu sein, dies auch zu zeigen, auf jedes Singles Schultern lasten müsste. Man hat ja nahezu Angst um replay70: Wie schlecht kann es ihm gehen, wenn er gar nichts zum Angeben hat, nichts, um die Damenwelt auf sich aufmerksam zu machen, vielleicht nicht einmal das Geld, eine längere Anzeige zu schalten? Man wähnt ihn verloren in dem Abwärtsstrudel der langfristigen Einsamkeit. Wenigstens wird niemand um ihn weinen müssen, rutscht es einem heraus.
Doch falsch. Replay70 ist womöglich genau das Gegenteil. In einer Stadt wie Frankfurt den Mut zu haben, mit nichts anzugeben, nichts hinauszuposaunen, vor allem nichts zu erwarten, erfordert, mit Kahn gesprochen, -pardon- Eier. Die scheint dieser Mann zu haben. Das ist doch schon einmal ein Anfang und lässt auf mehr hoffen. Damenwahl. Bitte zugreifen!