Im vergangenen Jahr gab es in den britischen Medien eine Affäre, die gewisse Parallelen zur aktuellen Wulff-Affäre aufweist. Und könnte Wulff sich einiger der Tricks bedienen, die damals angewendet worden sind, er könnte fein raus sein.
Christian Wulff steht zunehmend unter Druck. Nachdem er erst Geschäfte mit einem Unternehmer abgewickelt hatte und diese auf Nachfrage verschwiegen oder heruntergespielt hat, steht Wulff jetzt als Feind der Pressefreiheit dar, der versucht hat, die BILD von der Berichterstattung über seine Geschäfte abzuhalten. Die Medien zitieren in Teilen den Wortlaut des Wulff-Anrufs auf die Mailbox des BILD Chefredakteurs Kai Diekmann. Wulff habe von “Kriegsführung” gegen die BILD gesprochen. Den Anruf habe er übrigens geführt, während er im nahen Osten für Pressefreiheit geworben habe.
Wulff hätte vorher nicht nur den Wortlaut seiner Nachricht überdenken sollen, sondern auch, ob es schlau ist, auf eine Mailbox zu sprechen, zumal eine, die dem BILD Chef gehört. Dass ersteres eine dauerhafte Aufzeichnung des Anrufs zur Folge hat und letzteres die mediale Verarbeitung des Anrufs, hätte Wulff klar sein müssen.
Was Wulff fehlt, ist Rückendeckung aus dem britischen Boulevard. Dort gab es im vergangenen Jahr einen Mailbox-Skandal, der zum Rücktritt einer ganzen Zeitung vom Markt führte. Die News of the World (NotW) musste im vergangenen Jahr nach 168 Jahren den Betrieb einstellen. Die NotW war Teil des Medienimperiums des Australiers Rupert Murdoch. Im vergangenen Jahr kam heraus, das die Mobiltelefone und Mailboxen von Berühmtheiten, Soldaten, und solchen Leuten Nahestehenden abgehört und gehackt worden waren. Teilweise hatten Journalisten der NotW Nachrichten von Mailboxen gelöscht, wenn diese voll gewesen sind, damit neue Nachrichten draufgesprochen werden konnten. In verschiedenen Medienberichten haben diese Reporter dieses Vorgehen als prinzipiell sehr einfach dargestellt.
Für Wulff nicht einfach genug. Statt sich solcher Techniken zu bedienen – Diekmann hätte niemals böse deswegen sein können: Boulevard schießt nicht auf Boulevard – ruft Wulff nochmal an und entschuldigt sich. Man möchte meinen, lieber Herr Bundespräsident, sie seien selbst schuld. Immerhin sollte man als früherer Freund der BILD auch deren Berichterstattung kennen, ebenso wie deren Verhältnis zu Loyalität.
Sicher, der britische Abhörskandal hat zu einem Gerichtsverfahren und zum Sturz der erfolgreichsten britischen Sonntagszeitung geführt. Aber mehr als ein Sturz, aus welchen Gründen auch immer, hätte und hat der Noch-Bundespräsident nicht zu fürchten. Etwas mehr Nähe zum Boulevard hätte Wulff gut getan, entweder zur BILD oder zur NotW.
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16. Januar 2012 um 23:33 |
Wulff ist ein Idiot und Bild ein Drecksblatt. No more wisdom in here.