Nicht erst mit dem Tod vom Johannes Heesters am gestrigen Heilig Abend hat sich der Tod über das Jahr 2011 gelegt. In all seinen Facetten hat er das Jahr geprägt – nicht nur in tragischer und trauriger Form, auch in politischer und populär-kultureller Weise.
Jopie Heesters ist nicht der einzige langzeitig geistig geschwächte, der dieses Jahr abtreten musste. Favorit in dieser Kategorie ist Guttenberg. Der Dr. A.D. hat sich lange nicht erinnern können, Fehler bei seiner Doktorarbeit begangen zu haben, die er nach langer Nachdenkphase in den Staaten nun doch als seinen größten Fehler bereut. Sein politischer Tod war nur ein vorläufiger. Totgeglaubte leben länger. Und kommen mittlerweile unerwartet und unpassend früh zurück: Erst nach Halifax, dann in die ZEIT, dann auf den Buchmarkt, nun in die EU. Und bald sicherlich wieder nach Deutschland, was Guttenberg zu einem Kandidaten für die Wahl 2013 machen würde. Ambitionen waren nie Guttenbergs Schwäche. Ziele hatte er immer und hat sie noch immer.
Ein Ziel in diesem Jahr ist auch Osama Bin Laden gewesen. Nach langen, nun beinahe beendeten Kriegen im Nahen Osten, haben die USA das Primärziel der Attacken, den sogenannten Terrorfürsten, porno-guckenderweise aus dem Bett geholt und erschossen, mitsamt diverser Mitbewohner und Wahlverwandter. Einen unbewaffneten alten Mann erschossen zu haben, ist etwas, worüber sich die Amerikaner sehr gefreut haben. Es war Anlass, die Straße zu bevölkern und die eigene offensichtliche militärische Stärke zu bejubeln. In einem Jahrzehnt, dass das letzte amerikanischer Vorherrschaft sein könnte, kann man das als letztes Röcheln und Aufbäumen verstehen. Amerika geht wohl demnächst über den Jordan – nicht zu ersten Mal – und ich könnte mir vorstellen, dass die kommende Wahl ihren nicht unerheblichen Beitrag dazu leisten wird, die Todesqualen für alle unangenehmer und langwieriger zu machen. Obama geht mit dem Zustand in vielen Fällen zumindest offen und aufrecht um. Keiner seiner potentiellen Nachfolger ist mit solcher Einsicht gesegnet. Aber sei es drum. Amerika kostet seine Agonie voll aus.
Der FDP geht es da ähnlich. Seit sie Partner der Merkel-Regierung geworden ist, versucht die FDP alles, um den eigenen Absturz zu beschleunigen. „Stark Möllemann-geprägt“, möchte man sagen, lässt es aber aus Gründen der Pietät sein. Westerwelle, jahrelang das Zugpferd der Liberalen, hat sich und die Partei mit seiner monothematischen innenpolitischen Ausrichtung (s. Steuern) und seiner Entscheidungsunfähigkeit in der Außenpolitik (s. Libyen) ins Abseits gebracht und hat nun in Prozentpunkten weniger Unterstützer als der NSU in reellen Zahlen, der glücklicherweise auch von der Bildfläche verschwunden ist. Westerwelles Schicksal bleibt kein Einzelfall für die FDP, die Rösler gerade ebenso gekonnt vor die Wand fährt, wie die Seilschaften, die ihm so viel Potential hätten ermöglichen können. Auch Rösler vermag es nicht, die geistig-politische Wende anzutreten, die Westerwelle schon vor den Steuersenkungen versprochen hatte. Lindner, der einzig rhetorisch und theoretisch versierte Kopf der FDP-Boygroup, bestehend aus Lindner, Rösler und Bahr, hat sich jedenfalls von dem Elend verabschiedet. Vermutlich wird auch das den Niedergang der FDP weiter beschleunigen. Lindner aber wird sicher wieder aus dem geistig-parteipolitischen Exil zurückkehren, quasi von den Toten auferstehen.
Amy Winehouse hat das auch schon vollbracht. Passend zur Weihnachtszeit hat man alte Tracks und unfertiges Neues zu einer neuen LP vereint, die man so gerne von einer lebenden Winehouse gehört hätte. Die gute Frau hat ein intensives, zerstörerisches Leben gelebt, was bei weitem nicht so interessant ist, wie ihre Musik. Der Alkoholtod ist trotzdem ein angemessener Abgang für eine derart selbstzerstörerische Künstlerin und verfestigt den Legendenstatus, den ihr die undisziplinierte Albernheit volltrunkener Auftritte sonst versaut hätte. Passender als Schnaps wäre aber doch der goldene Schuss gewesen.
Den goldenen Schuss hat stattdessen Muamar Al-Gaddafi bekommen. Jedenfalls hatte er seine goldene Pistole bei sich als er um sein Leben bettelte, was der BILD beides eine Zeile im Titel wert war, direkt neben dem vergrößerten Bild des demolierten Schädels des Ex-Diktators. Diverse Beschwerden beim Presserat und Artikel über den Umgang mit solchen Fotos in der seriöseren Presse werden weder den Tod der BILD noch den des Umgangs mit solchen Würdelosigkeiten herbeiführen. Aber jedenfalls Gadaffi ist weg, als einer von vielen in den vergangenen Monaten. Denn Protestwellen sind in vergangenen Jahr nicht in größerem Maße gestorben – oder sinnlos geworden. Nur in Stuttgart. Aber das passt schon.
Tags: 2011, Amy, bahr, FDP, Gadaffi, Guttenberg, Jahresrückblick, Johannes Heesters, Juppi Heesters, Lindner, NSU, Osama Bin Laden, Rößler, Stuttgart 21, Winehouse
7. Januar 2012 um 22:03 |
Hey wo ist der like Button?