Bushido, Bambi, Bologna

Dem Berliner Rapper Bushido wurde am Donnerstag der Bambi in der Kategorie Integration verliehen. Der Burda-Verlag, der den Preis vergibt, setzt so Zeichen in Sachen Bildungsaufstieg.

Bushido ist berühmt und berüchtigt. Vor einigen Jahren ist er zum Elternschreck und Teenie-Liebling geworden. Als Aushängeschild von Aggro Berlin und später erfolgreichstem Rapper Deutschlands war er erst Schreck, dann Liebling. Seit Donnerstag ist der Rapper offiziell nicht nur Verkaufs-, sondern auch Integrationskönig. Bushido hat den kommerziellen Auftrag hinter sich gelassen und den gesellschaftlichen anscheinend schon erfüllt.

Mir als Rap-Fan ist Bushidos Name lange ein Begriff, gehört habe ich von ihm aber eigentlich nichts. Inwiefern die Kritik von Rosenstolz-Mitglied Peter Plate gerechtfertigt ist, kann ich nicht beurteilen. Plate sagte, einer, der bis vor kurze frauenfeindliche und menschenverachtende Texte geschrieben habe, dürfe so einen Preis nicht bekommen. Er bekam anscheinend Beifall, bestimmt von entsprechend fachkundigen und besser informierten Menschen als ich es bin.

Das einzige Bushido-Lied, dass ich mehrmals gehört habe, heißt „Nie ein Rapper”. Bushido sagt darin, dass er seine “Runden im Benz” drehe, und dass er “bis heute nie ein schwuler Student” gewesen sei. Man mag das eine mit dem anderen verbinden und zu dem Schluss kommen: Studenten drehen keine Runden im Benz, bleiben also wirtschaftlich erfolglos. Mag für den einen oder anderen potentiell zutreffen, verallgemeinern würde ich das nicht. Aber Bushido, als heimlicher Integrationsbeauftragter, wusste schon, was er da sagt.

Meiner undifferenzierten Meinung nach, ist Bushidos Musik von Anfang an eher auf die ungebildete, unreflektierte, proletenhafte Masse pubertierender Kleingangster ausgerichtet gewesen. Bushido, der in diesen Kreisen gerne als Vorbild gesehen wird, hat mit einer solchen Äußerung, die sicher nicht nur einmal vorkam, studieren direkt unattraktiv gemacht. Erstens mache studieren einen schwul, was dem Gangster-Image nicht gerade förderlich ist, zweitens bekomme man dadurch auch keinen Benz. Und als Homosexueller ohne Benz kriegt man keinen Respekt. Ergo: Bildung verhindert Respekt.

Was man Bushido nicht absprechen kann, ist, dass er ein ganz geschickter Businessmann ist. Mit mäßigen Skills so erfolgreich zu werden, ist schon respektabel. Er ging auch ganz geschickt vor: 1. Eltern schocken. Die Kids lieben das, lieben dann also Bushido. 2. Die gewonnenen Fans unten und dumm halten – Bildung verweigern – denn das sichert den Erfolg. In den heutigen Zeiten, in denen durch Bologna, die Verkürzung der Schulzeit und die Abschaffung der Wehrpflicht immer mehr Studierende ihr Schicksal als schwule ÖPNV-Nutzer anpeilen, können Medien und Gesellschaft froh sein, jemanden wie Bushido zu haben. Als hätte er die Misere von 2011 vorhergesehen, hat er besagtes Zitat schon 2005 veröffentlicht, als Bologna quasi grade erst begonnen hatte. Ein Businessmann hat eben einen Businessplan und der kann nicht weit genug gehen. Heute kann man sagen, Bushido hält einen Großteil seiner Fans vom Bildungssystem fern. Da er extrem viele hat, hilft Bushido, die Massen von Neu-Studierenden überschaubar zu halten. Ein Glück für die Unis, ein Glück für den ÖPNV und ein Glück für alle Branchen, die von heterosexuellen Menschen leben.

Burda hat Bushido ausgezeichnet. Integration war die Kategorie, Frauenfeindlichkeit und Menschenverachtung waren die Kritikpunkte. Dass Bushido eher Bildungsfeind und Businessfreund ist, wie, so sagt man, die Macher der Bologna-Reform auch, kam keinem in den Sinn. Bertelsmann, Burda und Bushido mögen sich da, was Businessstrategien angeht, ähnlich sein. Wie dem auch sei: Bushido hält ein Land am laufen. So sieht es aus.

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Eine Antwort zu „Bushido, Bambi, Bologna“

  1. bobrobotboy sagt:

    Gern gelesen.

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