Plagiat, Politik und die pure Peinlichkeit

KT Guttenberg, seines Zeichens Verteidigungsminister, steht in der Kritik. Trotz der angeblich höchsten Beliebtheitswerte, ist Guttenberg immer wieder Ziel der Kritiker, oder: trotz der nicht weniger werdenden Kritik, ist Guttenberg an der Spitze der Beliebtheitsskala. Schon seit Guttenbergs Frau in einer RTL2-Sendung Kinderschänder bloßgestellt hat und danach mit nach Afghanistan reiste, oder seit er die Aussetzung der Wehrpflicht veranlasst hat, um zu sparen, auch wenn Ersteres Letzteres unmöglich macht. Viele Punkte hat er bereits bei den kritischen Betrachtern verloren, die ihm das Volk bisher nicht absprechen wollte. Das mag sich nun ändern.

Wie jetzt durch den Bremer Juraprofessor Fischer-Lescano publik wurde, hat Guttenberg in seiner Doktorarbeit nicht gekennzeichnete Quellen zitiert. Einige davon sind auf Spiegel.de im Vergleich zu sehen. Was für den einen wie wissenschaftlicher Mumpitz klingt, ist für den anderen ein absoluter Vertrauensbruch und nahe an der illegalen Erschleichung einer Doktorwürde. Guttenberg hat, wenn sich die Vorwürfe als haltbar erweisen sollten, den Doktor erschummelt und dürfte diesen aberkannt bekommen. Er hat ein Plagiat abgegeben, sich am geistigen Eigentum anderer bereichert, ohne deren Leistung anzuerkennen. Unverschämt. Zu Recht kritisiert.

Das Ganze erinnert ein wenig an den Hegemann-Skandal vor einem Jahr. Helene Hegemann,  damals 17 Jahre altes Wunderkind, hatte einen Roman geschrieben, über den herauskam, dass er an mehreren Stellen aus Texten anderer bestanden hat. Ungekennzeichnet. Gut, Hegemann hat damit ein kommerzielles Kulturprodukt auf den Markt geworfen, keine wissenschaftliche Arbeit. Dennoch wurde hart diskutiert, inwieweit ihr Verhalten zu rechtfertigen sei. Hegemann sprach von einem veränderten Umgang mit Medien im Internet-Zeitalter.

Guttenberg hat sich bisher kaum geäußert. Lediglich die Möglichkeit bei über 400 Seiten und über 1000 Fußnoten1 mal eine Unzulänglichkeit begangen zu haben, die er gerne bereit sei zu überprüfen, hat er eingeräumt. Und ist dann nach Afghanistan geflogen, oder geflohen. Man weiß es nicht. Der Rummel jedenfalls ist groß. Im Internet wird fleißig gepostet, was hiermit belegt sei, nach geklauten Passagen im Guttenplag.Wiki gesucht und Guttenberg in gefaketen Rezensionen bei amazon hochgenommen. Das Internet zeigt sich wieder einmal als kritische Masse.

Aber ausgerechnet innerhalb des Mediums, dass am stärksten zur Abschaffung/Eingrenzung/Umschreibung des Urheberrechts tendiert, auf das sich Hegemann bezieht, wenn sie Abschriften von anderen Autoren rechtfertigt, das wohl abgesehen von Pornografie am meisten für Datenraub benutzt wird, findet Kritik an eben solchem Datenklau statt. Paradox, irgendwie. Man sieht es schon an den oben verlinkten Amazon-Kommentaren. Einer schreibt etwas von Zeitungs-ähnlicher Lektüre, was an sich witzig ist – beim ersten Mal – und andere kopieren den Witz direkt. Banales Beispiel, sicher, aber nicht trotzdem aussagekräftig? Mindestens dumm sollte sich verkommen, wer so einfältig ist, so offensichtlich zu klauen. Seien es Hegemann, Guttenberg oder Amazon-Rezensenten. Quellen gehören angegeben, gerade in wissenschaftlichen Arbeiten, gerade von Leuten, die in sich in politischen und somit auch irgendwie moralischen Führungspositionen sehen (wollen). Hegemann hat die Quellen offengelegt, Guttenberg mag seinen Doktor niederlegen und die plump kopierenden Hobbyrezensenten sollten wohl den “Stift” niederlegen. Das eine ist verwerflich. Das andere dann nur noch peinlich.

1Fußnoten ist übrigens auch der Titel der Biographie von Guttenbergs Großvater.

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